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Dann eben ein Ratgeber Autoren, die darüber schreiben, wie schwierig es ist zu schreiben, sind milde ausgedrückt Langweiler. Die Angst vor einem leeren Blatt, vor dem Nie-Wieder-Schreiben-Können und all dem Unsinn sollte man sich aufheben, wenn man einmal bei Frank Elstner zum Talk eingeladen wird und irgend etwas persönliches und wichtiges sagen soll und erfinden muss. Aber bevor es soweit ist, sollte man lieber darüber schweigen und die kleinen Problemchen als völlig normale Begleitangst jeder beliebigen Tätigkeit zur Kenntnis nehmen. Kassierer haben Angst vor dem Nichts-Abkassieren-Können, Verkäufer vor dem Überhaupt- Nichts-Verkaufen und Fußballer vor dem Elfmeter. Da müssen sich Schreiberlinge nicht als »besonders gefährdet« einstufen. Anders sieht es mit der Angst davor aus, dass es wirklich niemanden interessiert, was man so schreibt. Das ist eine ernst zu nehmende Anst. Es ist die Angst davor, mit sich und seinem Text auf ewig alleine zu bleiben und irgendwann die Miete für die gemeinsame WG nicht mehr bezahlen zu können. Textsammlungen gehen nämlich nicht einkaufen, sie räumen nicht anständig auf und die gute Stube kann man mit den Blättern höchstens für 10 Minuten ordentlich durchheizen. Um dieser Angst geschickt aus dem Wege zu gehen, habe ich letztens ein freundliches Gespräch mit meinem Verleger geführt, der mal wieder alle meine Romanvorlagen ver- also weggelegt hatte. Mein Verleger ist studierter Pädagoge, er weiß genau, wie er mich mit wohlfeilen Worten motivieren kann. Seitdem sitze ich also an meinem ersten veröffentlichungsfähigen Ratgeber. Das ist eine verdammt schwierige Aufgabe, denn es gibt anscheinend nichts mehr, für das nicht schon ein Ratgeber geschrieben wurde. »Emotionale Intelligenz« ist thematisch abgefrühstückt, »Simplify your life« ist in jeder Frauenzeitschrift als CD Beilage zu finden. Tipps wie: »Nimm alles nicht so schwer, dann wird alles viel leichter«, sind dort zu hören. Dinge, auf die ich so nie gekommen wäre. Im Hintergrund spült irgendjemand C-Dur Akkorde weich und nach drei Minuten ist man eingeschlafen und merkt tatsächlich nichts mehr von der ganzen Schwierigkeit der Tagesbewältigung. Wie man »reich, schön und börsengängig« wird, ist auch schon auf knappen zwei Metern Ratgeberliteratur zu finden. Für anspruchlos literarische Küchenphilosophie hat man den Brasilianer, den Coelho unter Vetrag genommen. Da komm ich auch nicht mehr in den Markt hinein. Also musste etwas völlig Neues her. »Das Glücksgen« war der Titel meines dritten Versuchs. Es war eine total erlogene wissenschaftlich an den Schamhaaren herbeigezogene Beschreibung einer bestimmten Aminosäurensequenz auf irgendeinem Gen. Ich hatte sogar einen Selbsttest entwickelt. Jeder sollte die Möglichkeit haben, zu überprüfen, ob er im Besitz des Glücks-Gens sei. Auf jedes Buch sollte ein kleines Messstäbchen angebracht werden. Man solle über den Indikator urinieren und wenn er sich nicht verfärbe, dann sei man im Besitz des Glücks-Gens, hatte ich in die Gebrauchsanweisung geschrieben. Natürlich waren es alles abgelaufene und daher besonders billige Schwangerschaftstests, die bei Männern sowieso und bei den meisten Frauen auch negativ und damit unverfärbt bleiben. All die Personen hätten also ein Glücks-Gen gehabt, jeder hätte sich gut gefühlt. Es wäre eine kollektive Begeisterungswelle durch das Land gezogen. Ein euphorischer Ruckzuck durch Deutschland! Die paar Schwangeren, die bei meinem Test durchgefallen wären, hätten zum Trost ein paar Monate später ein Kind gekriegt. Dann hat man sowieso keine Zeit mehr, sich über Sinn und Glück und all den Kram Gedanken zu machen. Man hat Ränder unter den Augen und ist schon glücklich, wenn man zwei Stunden durchschläft. Das dann gerne auch ohne Glücks-Gen. Es ist unglaublich schwer, auf diesem Markt zu bestehen. Und langsam verliere ich den Mut, dass es noch etwas wird. Ich bin mittlerweile total ratlos.
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